Wie Tätowierungen mit Sehproblemen zusammenhängen: Zwei Optometristen klären auf

Tattoos sind für viele ein Ausdruck von Persönlichkeit oder ein wichtiger Übergangsritus. Etwa ein Drittel der Australier*innen hat ein Tattoo. Doch neben dem kreativen Ausdruck gibt es auch Gesundheitsrisiken, die oft unterschätzt werden: darunter eine eher seltene Augenerkrankung namens tattoo-assoziierte Uveitis.
Der Trend zu mehr Tätowierungen hat in Australien zu einer Zunahme dieser Fälle geführt. Zwischen 2023 und 2025 haben australische Augenexpert*innen 40 bekannte Fälle untersucht. Obwohl die Krankheit selten ist, ist sie ernst genug, weil sie dauerhaften Sehverlust verursachen kann. Eine 2026 veröffentlichte Studie zeigt außerdem, dass größere Tattoos und solche mit schwarzer Tinte häufiger mit der Entwicklung dieser Uveitis in Verbindung stehen.
Welche Chemikalien stecken in Tattoo‑Tinte?
Tattoo‑Tinten enthalten oft giftige Chemikalien. Diese Verbindungen stehen nicht nur im Verdacht, bestimmte Krebsarten zu fördern, sie können auch das Immunsystem dazu bringen, die Tinte als Bedrohung anzusehen und eine Entzündung auszulösen. Entzündliche Zellen können dann die Blut‑Auge‑Schranke überwinden und eine Entzündung im Auge hervorrufen.
Ein Hauptangriffspunkt ist die Uvea, die mittlere Schicht des Auges. Bei einer Entzündung spricht man von Uveitis. Typische Symptome sind plötzliche Schmerzen, gerötete Augen und verstärkte Lichtempfindlichkeit. Bleibt die Entzündung unbehandelt, drohen schwere Komplikationen wie Glaukom und Narbenbildung am Auge, die beide zur Erblindung führen können.
Wie die Regeln aussehen und was Ärzt*innen raten
Australien steht in der Kritik, weniger strenge gesetzliche Regelungen zu Inhaltsstoffen von Tätowierfarben zu haben. Viele der in Australien erlaubten Tinten sind in der Europäischen Union verboten. Diese Unterschiede in der Regulierung werfen Fragen zur möglichen Toxizität der in Australien verwendeten Tattoo‑Farben auf.
Praktische Empfehlungen für Tattoo‑Träger*innen:
- Bei ungewöhnlicher Schwellung an der Tattoostelle oder bei Sehstörungen, zum Beispiel plötzlichen Schmerzen oder Rötungen des Auges, sollte man umgehend einen Optometristen oder eine Optometristin aufsuchen.
- Optometrist*innen können die Diagnose stellen und gegebenenfalls an Augenärzt*innen überweisen, die dann passende Behandlungen durchführen, etwa intraokulare Steroidinjektionen.
Wer ist gefährdet und wie wird behandelt?
Tattoo‑assoziierte Uveitis kann Männer und Frauen gleichermaßen treffen. Besonders anfällig sind Menschen mit überaktiven Immunsystemen und Personen mit Vorerkrankungen wie Multiple Sklerose, bestimmten Formen von Arthritis oder Darmerkrankungen sowie Sarcoidose.
Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig, greifen aber nicht immer vollständig. Milder verlaufende Fälle werden häufig mit kortikosteroidhaltigen Augentropfen behandelt, während bei stärkeren Entzündungen steroidale Injektionen ins Auge nötig sein können. In schweren Fällen kommen auch langfristig wirkende Immunsuppressiva zum Einsatz. Trotzdem erleben etwa 75 % der behandelten Patient*innen einen vorübergehenden Sehverlust, und 17 % behalten eine permanente Sehstörung.
Tattoos sind in Australien weiter sehr beliebt, besonders größere Motive in schwarzer Tinte. Das könnte bedeuten, dass solche Diagnosen künftig öfter vorkommen. Auch wenn tattoo‑assoziierte Uveitis aktuell als selten gilt, fordern Fachleute weitere Forschung, um die möglichen Gesundheitsrisiken besser zu verstehen und anzugehen.
Die Befunde zu dieser Krankheit sind teilweise beunruhigend und zeigen: Wissen und Prävention sind wichtig. Tattoos bleiben eine bedeutende Form des Selbstausdrucks, aber wer ein Tattoo plant, sollte sich der möglichen gesundheitlichen Risiken bewusst sein, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.