In den Schwarzwasser-Seen und -Flüssen des Kongobeckens gelangt uralter Kohlenstoff jetzt in die Atmosphäre

Eine neue Studie liefert spannende, aber auch beunruhigende Einblicke in die Kohlenstoffdynamik der Cuvette Centrale im Kongo-Becken. Dabei stoßen Schwarzwasser-Seen und -Flüsse (dunkle, huminstoffreiche Gewässer) wie der Lake Mai Ndombe, der Lake Tumba und der Ruki River uralten Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre aus. Die Ergebnisse stellen die bisherige Annahme infrage, dass diese Gebiete stabile Kohlenstoffsenken sind.
Was die Studie herausfand
Jahrzehntelang ging man davon aus, dass der in den Torfgebieten des Kongo-Beckens gespeicherte Kohlenstoff sicher und stabil war. Die neuen Daten zeigen jedoch, dass ein erheblicher Teil des emittierten CO2 aus Torf-Kohlenstoff stammt, der zwischen 2.170 und 3.500 Jahre alt ist. Das wirft die Möglichkeit auf, dass tropische Torfgebiete sich von Senken zu signifikanten Quellen wandeln könnten. Travis Drake, Kohlenstoff-Biogeochemiker am Swiss Federal Institute of Technology Zurich (ETH Zurich), nennt das die „30-Millionen-Tonnen-Frage“, also die Frage, ob es sich nur um eine kleine, natürliche Leckage handelt oder um den Beginn einer großflächigen Destabilisierung.
Die Cuvette Centrale erstreckt sich über 145.000 km² im nordwest-zentralen Teil der Demokratischen Republik Kongo und enthält das größte bekannte tropische Torfmoorkomplex der Erde. Die relativ unberührten Ökosysteme sind für ihren hohen Gehalt an zerfallendem Pflanzenmaterial bekannt, das den Seen ihre dunkle Farbe gibt. Diese organischen Stoffe führen zu einer Übersättigung des Wassers mit CO2, das dann in die Atmosphäre diffundiert.
Wie die Forscher vorgegangen sind und was sie fanden
Über einen Zeitraum von vier Jahren führten die Wissenschaftler drei Expeditionen in die Region durch. Sie entnahmen Proben aus den Seen und dem Ruki River, um den gelösten organischen und anorganischen Kohlenstoff zu analysieren. Überraschend war, dass bis zu 40 % des in der ersten Probe gemessenen anorganischen Kohlenstoffs Jahrtausende alt war. Zur Absicherung wurden alle weiteren Proben anschließend einer detaillierten Spektrometrie unterzogen.
Mikroben in den Torfgebieten zersetzen den Torf-Kohlenstoff zu CO2 und Methan (CH4). Diese Gase gelangen in die umliegenden Gewässer und schließlich in die Atmosphäre. Das ist eine deutliche Schwachstelle, und der Prozess könnte sich bei zukünftigen Dürren noch beschleunigen, ein Szenario, das Drake als besorgniserregend beschreibt.
Wie es weitergeht und was noch zu tun ist
Die Forscher wollen jetzt das im Kongo-Becken eingeschlossene Wasser genauer untersuchen. Ziel ist, die mikrobielle Freisetzung von uraltem Kohlenstoff auf die gesamte Cuvette Centrale zu übertragen und die Oxidationsraten genau zu bestimmen. So hoffen sie, zwischen normalem Hintergrundrauschen und einer möglichen Instabilität des Kohlenstoffspeichers unterscheiden zu können.
Während die Untersuchungen weiterlaufen, bleibt es dringend, das volle Ausmaß der Kohlenstoffemissionen zu klären. Die Ergebnisse könnten weitreichende Folgen für globale Klimamodelle und künftige Klimastrategien haben und zeigen, dass selbst abgelegene, scheinbar intakte Ökosysteme nicht automatisch so stabil sind, wie wir bisher annahmen.